Bis vor Kurzem war ich mit beinahe allen meinen Website-Projekten "gefangen" im WordPress Universum. Dabei kam selten Langeweile auf, weil ständig irgendwelche Plugins Updates benötigten. Klar, die kann man inzwischen häufig automatisch laufen lassen und trotzdem klappt das nur so halb. Inkompatibilität mit der neuen PHP-Version oder keine Entwicklerupdates mehr. Einige von euch werden das kennen. Bei mir hat das nach einem Austausch mit dem geschätzten Maik Meid dazu geführt, dass ich keine Updates mehr gemacht habe, sondern alles neu gemacht habe. Komplett.
Das klingt ein bisschen übertrieben für ein bisschen Frust über Updates? War es aber nicht. Es war dringend notwendig. In den vergangenen Jahren habe ich mir ein System mit WordPress zusammengestellt, das aufgrund von Abhängigkeiten und stockenden Weiterentwicklungen nicht nur instabil lief, sondern auch ein Sicherheitsrisiko für meine Daten darstellte.. Wer weiß bei zwölf Plugins noch, welches Skript welche Daten wohin schickt?
Digitale Souveränität
Genau das ist für mich der Kern der digitalen Souveränität. Die Frage, wem meine Daten eigentlich gehören und wer Zugriff darauf hat. Bei WordPress-Plugins lautet die ehrliche Antwort oft „keine Ahnung”. Bei US-Cloud-Diensten sowieso nicht. Wenn ein Anbieter morgen den Stecker zieht, den Preis verdreifacht oder sein Geschäftsmodell ändert, weiß ich nicht, was mit meinem Blog, meinen Texten und meinen Kontaktdaten passiert.
Also hab ich gewechselt. Nicht zu einem anderen CMS mit demselben Prinzip, sondern zu Kirby. Flache Dateien statt Datenbank, PHP ohne zwanzig Abhängigkeiten, kein Tracking und ein Entwicklerteam in der Schweiz. Der Unterschied zu WordPress ist dabei gar nicht "besser" oder "schlechter" im Sinne von Funktionsumfang. WordPress kann mehr. Es gibt mehr Plugins, mehr Themen, mehr Community, mehr fertige Lösungen für jedes erdenkliche Problem. Genau das war ja auch das Problem.
Und ja, Kirby ist nicht kostenlos. Die Kirby-Lizenz liegt bei einmalig knapp 100 Euro. Vor allem kostet es aber Zeit und Nerven, weil man mehr selbst können muss. Kein Plugin-Marktplatz, bei dem ich die Lösung für "Kontaktformular mit Spam-Schutz" einfach reinklicke. Man baut es selbst, oder man holt sich Hilfe. Ich habe einiges selbst gemacht und mir bei auch Hilfe geholt. Geholfen haben mir beispielsweise Claude und Lumo von Proton.
Sicherheit und Medienkompetenz
Das ist der Punkt, an dem für mich digitale Sicherheit und europäische Lösungen zusammenkommen. Es geht nicht darum, aus Prinzip alles Amerikanische zu meiden. Es geht darum, Alternativen überhaupt erst als Option zu sehen. Die meisten Menschen wechseln nicht zu europäischen oder selbst gehosteten Lösungen, weil sie nicht wissen, dass es sie gibt. Oder weil ein Wechsel mit viel Aufwand zusammenhängt. Beides stimmt teilweise.
Genau da schließt sich für mich der Kreis zur Medienkompetenz. Es geht nicht darum, dass jetzt jeder seine eigene Website mit Kirby baut oder PHP lernt. Es geht darum, zu verstehen, was die eigenen digitalen Werkzeuge tun. Wer weiß, wie eine Website oder ein soziales Netzwerk technisch funktioniert, trifft automatisch bewusstere Entscheidungen darüber, was er nutzt und was nicht. Man muss nicht alles selbst bauen können. Man sollte aber zumindest verstehen, was man einkauft, wenn man sich für eine Lösung entscheidet.
Meine Website ist jetzt kleiner, langsamer gewachsen und deutlich weniger glänzend als jedes noch so schöne WordPress Premium Theme. Aber ich weiß, was wie funktioniert. Danke für den kleinen Tritt lieber Maik.