WhatsApp, Instagram und Facebook stammen alle aus dem Hause Meta. Wir legen einen Großteil unserer Kommunikation in die Hände eines einzigen amerikanischen Unternehmens. Unternehmen nutzen mit Microsoft 365 ein Produkt eines weiteren amerikanischen Unternehmens, in dem Mitarbeitende chatten, Dateien ablegen, Videocalls abhalten usw. Manchmal ist es auch Google. Das Problem bleibt aber das gleiche.
Fragt man Claude nach den Problemen digitaler Souveränität im Bezug auf die Nutzung amerikanischer Tools in Europa kommt folgende Antwort dabei raus:
Im europäischen Kontext zeigt sich mangelnde digitale Souveränität durch die starke Abhängigkeit von US-amerikanischen Tech-Konzernen wie Microsoft, Google, Amazon und Meta in nahezu allen Bereichen – von Cloud-Diensten über Betriebssysteme bis zu sozialen Medien. Diese Abhängigkeit birgt Risiken für Datenschutz (Konflikt zwischen DSGVO und US-Gesetzen wie dem CLOUD Act), wirtschaftliche Verwundbarkeit und begrenzte politische Handlungsfähigkeit. Europa fehlen weitgehend eigene, wettbewerbsfähige Alternativen, was die strategische Autonomie einschränkt und Daten sowie kritische Infrastrukturen ausländischer Kontrolle und Gesetzgebung unterwirft.
Natürlich ist ein LLM wie Claude keine Suchmaschine und auch nicht wirklich als Zitatquelle geeignet. In diesem Fall hat das Sprachmodell von Anthropic aber Recht mit dem, was es ausgibt.
Nun könnte man die Fragen nach digitaler Souveränität auf Staaten und Unternehmen abwälzen. Das wäre leicht. Aber digitale Souveränität betrifft uns alle. Ganz persönlich. Und es besteht dringender Handlungsbedarf.
Der Digital Independence Day (DID)
Save Social koordiniert im Rahmen des Projektes Digital Independence Day (DID) viele Organisationen, die sich intensiv mit der Thematik beschäftigen. Das Projekt wurde im Rahmen des 39th Chaos Communication Congress (39C3) vorgestellt.
Auf der Website vom DID wird die Problematik noch einmal dargestellt:
Unser digitales Leben befindet sich in der Hand weniger Überreicher. Mit der Monopolstellung ihrer Unternehmen bestimmen Menschen wie Elon Musk, Jeff Bezos oder Mark Zuckerberg weltweit, wie wir uns online informieren, wie wir diskutieren, kommunizieren oder handeln. Einen solchen unkontrollierten Einfluss sollte kein Mensch und kein Unternehmen besitzen, weil wir dann nicht mehr in Freiheit leben können.
Die Idee ist einfach: Viele Menschen gehen viele kleine Schritte, damit wir uns nach und nach von dieser Macht lösen können. Jeden ersten Sonntag im Monat ändern wir etwas und wechseln beispielsweise zu einem europäischen Dienst. Wichtig ist, dass diese Wechsel nicht auf einmal passieren. Stattdessen macht jeder das, was er kann. In seinem eigenen Tempo. Je mehr Menschen mitmachen, desto größer ist die Wirkung.
Auf dem 39C3 hat Marc Uwe Kling dazu einen großartigen Talk gehalten
Mehr digitale Souveränität wagen!
Und ich werde jetzt auch endlich anfangen genau das zu tun. Das Microsoft 365 Abo ist gekündigt. Meine Daten ziehe ich aus den Clouds ab und lege sie auf das eigene NAS. Für Mail, Kalender, VPN, etc. nutze ich schon seit vielen Jahren mit großer Zufriedenheit die Lösung von Proton aus der Schweiz.
Bei der Arbeit habe ich die Wahl zwischen Microsoft Office und Libre Office. Darüber hinaus setze ich mich weiterhin aktiv für Open Source Systeme wie OpenSlides und Nextcloud ein.
Eine der größten Baustellen wird vermutlich der Umstieg von WhatsApp auf Signal. Bei Maik Meid las ich aber folgenden Satz: „Eine Mastodon-Nutzerin postete, sie habe es sich von ihrer Familie zum Geburtstag gewünscht, dass die Familiengruppe nun von WhatsApp zu Signal wechselt“. Vielleicht könnte das ein Ansatz für meinen runden Geburtstag in diesem Jahr sein.
Packen wir es an.
