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Was ist eigentlich Medienkompetenz?

Gemeinsam mit Gina zu Jeddeloh, Medienpädagogin in der Arbeitsstelle Religionspädagogik der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg, starte mit MedienHappen ein neues Podcast-Format.

Im Podcast MedienHappen vermitteln wir in kleinen, leicht verdauliche Informationshappen, auf unterhaltsame und informative Weise, Wissen über Medienbildung.

Wir sprechen in der aktuellen Folge über Medienkompetenz und über die Herausforderungen in der heutigen digitalen Welt, wie z.B. die Flut von Informationen, den Umgang mit KI und die ethischen Fragen, die damit einhergehen.

Hier ist der Podcast zu hören

Und einmal wären wir fast …

Wir schreiben das Jahr 2002. Ein paar Freunde haben die Picture Community snappa.de gegründet und sind ständig dabei weitere Features auf den Markt zu bringen. Eigene Profile, eigene Bildergalerien, Kommentarmöglichkeiten und noch so einiges mehr. Man sitzt in einem kleinen Raum und entwickelt gemeinsam. Bei ekeliger TK-Pizza, ungesundem Trinken und einem live-Relaunch mit Webcam und Countdown.

snappa.de – damals ein Hobby. Aber eines mit hohem Bekanntheitsgrad hier oben im Norden.

snappa.de – schlaflose Nächte, feiernde und fröhliche Menschen. Bilder bearbeitet und, noch bevor die ersten Menschen nach der Party nach Hause gingen, hochgeladen.

snappa.de – Menschen den Raum gegeben Nachrichten auszutauschen, Kommentare abzugeben und vieles mehr.

snappa.de – eine Beschreibung:

,,Langsam aber sicher zum Erfolg“, unter diesem Titel könnte man das Projekt snappa.de stellen. Vor drei Jahren (2002) ins Leben gerufen ist snappa.de heute im friesichen Raum ein bekanntes Event und Community Portal.
Mit fast einer halben Million Seitenaufrufen im Monat, ist snappa.de das Portal für ihre Werbung und Vermarktung!

Das Team von snappa.de kümmert sich um die Berichterstattung in Bild und Wort und manifestiert somit Ihre Veranstaltung auch weiter im Gedächnis Ihres Publikums und Ihrer Kundschaft. (snappa)

Facebook? Gab es zu dieser Zeit noch nicht. VZ-Netzwerke? Gab es zu dieser Zeit noch nicht.

Am 8. Oktober 2007 haben wir snappa.de dann aber abgeschaltet. Die User konnten ihre eigenen Bilder noch lange weiter downloaden – Neuigkeiten und weitere Uploads gab es aber nicht mehr.

snappa.de – warum ist es nicht mehr da?

Als ich Christoph Gerken, Hauptprogrammierer von damals und den Geist der ganzen Idee, vor ein paar Tagen (bei Facebook) fragte, wieso wir eigentlich nicht weiter gemacht haben kam die nüchterne Aussage:

Frag nicht, ich kann the Social Network nur mit viel Alkohol ertragen …

Eine Aussage, die ich nur ganz dick unterstreichen kann. Ehrlich gesagt weiß ich auch gar nicht mehr so richtig wieso wir aufgehört haben. Vielleicht wegen der Konkurrenz, vielleicht wegen unseren zeitlichen und finanziellen Ressourcen? Vielleicht sind das aber auch nur Ausreden? Ich weiß es nicht.

Aber was lernen wir daraus eigentlich? Dass Julia Engelmann so viel richtiges und wahres gesagt hat. Und ja, sie ist mir aktueller im Ohr denn je.

“(…) und eines Tages, baby, werden wir alt sein, oh baby, und an all die Geschichten denken, die wir hätten erzählen können.
Und die Geschichten, die wir dann stattdessen erzählen werden – traurige Konjunktive sein wie
Ein mal bin ich fast einen Marathon gelaufen
und hätte fast die Buddenbrooks gelesen
und einmal wär´ ich beinah bis die Wolken wieder lila war´n noch wach gewesen
und einmal, fast hätten wir uns mal demaskiert und gesehen wir sind die gleichen
und dann hätten wir uns fast gesagt, wie viel wir uns bedeuten.
(…)

Hätten wir doch den Mut gehabt. Hätten wir die Hürden überwunden. Hätten wir weitergemacht. Hätten wir in die Zukunft geblickt.

Und einmal wären wir fast … Mark Zuckerberg zuvorgekommen!? Wer weiß das schon.

Und jetzt?

Komplexität und Sprachlosigkeit.

„Hohe Spritpreise führten zu Hamsterkäufen von Speiseöl“
„Bei 300.000 Neuinfektionen täglich wurde die Maskenpflicht aufgehoben“
„Eine Impfplicht scheiterte am Papiermangel“
„Der Verzicht auf Schnitzel wird als Bedrohung angesehen“
Unsere Kinder müssen später doch denken, dass ihr Geschichtsbuch von Bekifften geschrieben wurde. (inspiriert von @Nacktmagazin)

Manchmal hoffe ich, dass das alles nur ein Traum ist. Dass irgendwelche Rauschzustände bei mir diesen Blick auf unsere wunderbare Welt auslösen. Aber es ist kein Traum. Es ist harte Realität.

„Während Kinder in der Ukraine in belagerten und bombardierten Städten Wasser aus Pfützen trinken, fahren Hilde und Heinz bei uns mit dem SUV bei Aldi vor und prügeln sich um Mehl, Klopapier und Sonnenblumenöl. Diese Welt macht mich komplett fertig“ (via)

Zugegeben, etwas platt. Aber ja, diese Welt macht mich komplett fertig.

Sie macht mich sprachlos.

Und dann frage ich mich immer wieder: was kann ich tun. Ich ganz konkret. Und wir.
Ich scheitere an der Komplexität der Sache.

Was bringt es eigentlich der Welt, wenn ich das Auto stehen lasse? Wenn ich meinen Fleischkonsum verringere? Wenn ich den Computer während längerer Meetingpausen auch mal zuklappe? Wenn ich weniger egoistisch durch die Welt gehe?

Es ist ein komplexes Konstrukt. Krieg. Frieden. Klima. Pandemie. Und doch hängt vieles zusammen.

Wo also anfangen? Fleischverzicht im Jugendverband. Ein Beispiel. Ein Aufschrei und um es mit Worten des Vorstandes der ejo zu beschreiben doch so klar:

„Wir haben diesen Beschluss gefasst, weil wir als Evangelische Jugend den Auftrag haben Gottes Schöpfung zu bewahren. Wir wollen mit unserem Handeln und mit diesem Beschluss eine nachhaltige Lebensweise fördern und deutlich machen, dass wir im Jahr 2022 angekommen sind und nicht so weitermachen können wie bisher. Wir müssen uns selbst bewegen, an unseren Strukturen rütteln und Gewohntes hinterfragen.“ (via)

Oder Anna-Nicole Heinrich, Präses der EKD, die es auf den Punkt bringt, warum Schnitzelverzicht für viele ein Problem ist: „Verzicht und Begrenzung scheinen uns so bedrohlich, dass wir lieber so lange weitermachen, bis es nicht mehr geht. Und dann bedroht uns auf einmal, dass wir jetzt umsteuern müssen.“

Viele kleine Dinge und Taten helfen uns dabei das große Ganze zu verändern. Wusstet ihr zum Beispiel, dass nur 20 % des in Deutschland angebauten Getreides von Menschen verzehrt werden – von Tieren hingegen 58 %?

Weniger Fleisch = mehr Getreide? Mehr Getreide = weniger Hungersnot? Weniger Hungersnot = mehr Gerechtigkeit? Mehr Gerechtigkeit = weniger Krieg? Es ist komplex.

Aber jede*r von uns kann einen Teil dazu beitragen.

Es geht gar nicht darum das eigene Leben komplett zu verändern. Aber es geht darum bewusster zu leben. Den eigenen Konsum zu überdenken und die Lebensweisen anzupassen. Das ist manchmal unbequem. Aber es gehört dazu.

Ich wünsche uns den Mut, die Kraft und die Ausdauer, weiterhin mit unseren Mitteln an einer gerechten Zukunft zu arbeiten. An einer enkelgerechten Zukunft. Einer Zukunft für uns alle und für alle die nach uns kommen werden.

Selig sind, die Frieden stiften.

Gedanken von mir zum Start in die Teamsitzung des Landesjugendpfarramtes am 31. März 2022.